beew - 26. April – 30 Jahre Reaktorunglück in Tschernobyl

verstrahlungAm Dienstag, 26. April jährt sich zum 30. Mal der Atomunfall in Tschernobyl. Damals wurde erst nach und nach klar, was passiert war. Die russischen Medien gaben erst Tage später zu, dass ein schwerer Atomunfall passiert war. Besonders tragisch erscheint dabei, dass er von Menschen verursacht wurde, die eine Schnellabschaltung testen wollten. Hierbei geriet der Reaktor dann außer Kontrolle und explodierte.

In den umliegenden Dörfern und Städten rings um Tschernobyl gingen die Menschen sorglos ihrem Tagewerk nach und viele erlitten Verstrahlungen, ohne dies sofort zu bemerken. Auch die bei den Aufräumarbeiten eingesetzten Soldaten waren nicht über die hohen Gesundheitsrisiken aufgeklärt. So konnten die benutzten Gasmasken nur vor Staub, nicht aber vor einer Verstrahlung schützen.

Diese 850.000 sogenannten Liquidatoren wurden wegen der extremen Strahlung auf dem Reaktordach jeweils nur wenige Minuten eingesetzt, dann mussten die nächsten anrücken. Trotzdem erlitten die meisten von ihnen qualvolle Krebserkrankungen. Ein Drittel von ihnen starb innerhalb weniger Wochen.
Eine Invalidenrente zahlte der Staat aber nicht.

Etwa 350.000 Einwohner des Gebietes rund um den Reaktor (3.500 Quadratkilometern; so groß wie das Saarland) wurden evakuiert und zwangsumgesiedelt. Heute ist diese Sperrzone nach wie vor Niemandsland, nur wenige Menschen sind dorthin zurückgekehrt. (vgl. auch Fernsehberichte in ADR, ZDF, Arte in diesen Tagen).

In der Folge wurde eine provisorischen Betonabdeckung (Sarkophag) angebracht, die schon seit Jahren undicht ist und Regenwasser ungehindert in das Reaktorinnere laufen lässt.

Um einen besseren Schutz zu gewährleisten haben sich vor einigen Jahren 26 Geberländer zusammen getan (u.a. auch Deutschland) und beschlossen, eine neue Abdeckung aus Edelstahl zu bauen. Diese Abdeckung hat in etwa die dreifache Größe des Hamburger Hauptbahnhofes. Sie wird aktuell neben dem Reaktorgebäude zusammengebaut und dann auf Schienen langsam über die Unglücksstelle gefahren. Auch hier laufen die ursprünglich angenommenen Kosten aus dem Ruder und sollen schon bei dem Dreifachen sein.

Ob diese Abdeckung vor weiterer Verstrahlung schützen kann, ist sehr fraglich. Fraglich ist weiterhin, wo das radi0aktive Material von Tschernobyl abgeblieben ist. Wieweit es bei der Kernschmelze in das Erdreich eingedrungen ist, weiß niemand. Oder ob es bei der Explosion in die Luft geschleudert wurde und sich über Europa ausgebreitet hat, ist ebenso möglich.

Es gibt im Internet unzählige Fotos zu sehen von Menschen, die dort unter Strahlenschäden leiden. Viele Kinder leiden unter schlimmen Missbildungen, mit denen sie bis zu ihrem Tod zu tun haben werden. 

Fakt ist, dass auch heute in Deutschland erhöhte Strahlenwerte zu messen sind und dass bspw. Wildfleisch und Pilze nicht mehr bedenkenlos verzehrt werden können.

Glücklicherweise ist in Deutschland noch kein Reaktorunfall passiert. Fast wöchentlich erscheinen aber Meldungen über „leichtere“ Störungen im Betrieb der Atomkraftwerke. Hier eine geplatzte Leitung, dort ein Sicherheitsventil, das seinem Namen nicht gerecht wird und dazu das Risiko des menschlichen Versagens. Von terroristischer Bedrohung ganz zu schweigen.

Es gibt weltweit kein einziges funktionierendes Endlager für diese gefährlichen Abfälle.

Und gäbe es ein Endlager: Wieviel Geld muss man zur Seite legen, um ein Endlager mit dem entsprechenden Personal eine Million Jahre lang betreiben zu können? Vor dieser Verantwortung drücken sich die Betreiber und Erbauer der Anlagen.

Während in Deutschland die Verantwortlichen in der Politik nach dem zweiten Super-GAU in Fukushima 2011 aufgewacht sind, hat dies zum Beschluss des Atomausstiegs bis 2022 geführt. In Japan selbst, aber auch in der Sowjetunion, in England und vielen weiteren Staaten wird weiter auf Atomenergie gesetzt. Trotz der bekannten Unfälle und der vielfach nachgewiesenen Risiken.

Die Erneuerbaren Energien liefern in Deutschland inzwischen 1/3 des Stroms, während Atomkraft weiter auf dem Rückzug ist.

Und: Die Lichter sind nicht, wie immer wieder angedroht wurde, ausgegangen!

 

 

 

veröffentlicht am 20. April 2016